posted by: Ralf Rottmann | posted @ Sunday, September 30, 2007 4:30 PM | View blog reactions

Den Preis für die wahrscheinlich peinlichste Übersetzung ins Deutsche könnte die Deutsche Ausgabe des an sich hervorragenden englischen Originals des Buches von Alex Homer und Dave Sussmann erhalten.

ASP.NET 2.0 Illustrated (Microsoft .NET Development Series)

Im Ernst: Aus Erfahrung kaufe ich in der Regel Fachliteratur in der Sprache der Autoren. Für den Kauf der Lektüre für meinen heute zu ende gegangen Herbsturlaub in der Toscana blieb mir allerdings nicht mehr genug Zeit, so dass ich mit der Deutschen Ausgabe von "ASP.NET 2.0 Illustrated" vorlieb nehmen musste. Mühselig habe ich mich in der vergangenen Woche durch die knapp 600 Seiten gequält und mich dabei an manchen Stellen gefragt, ob das Buch maschinell übersetzt wurde.

Hier ein paar Highlights:

Skins sind steuerelementspezifisch, demnach könnte es für gegebene Designdateien ein separates Skin für jedes Steuerelement innerhalb dieser Designdateien geben.

Wie bitte? Noch schöner wird es hier:

Das Nutzer-Interface ist nicht der einzige Zugang, um sich in eine Seite einzuloggen. Man benötigt auch den Code, der den Nutzer gegenüber der Datenbank für gültig erklärt.

Ob man sich "in eine Seite einlogged" oder eher "an einer Anwendung anmeldet" mag noch Geschmackssache sein, ich habe allerdings in meiner ganzen Entwicklungslaufbahn in noch keinem Projekt einen Benutzer gegenüber einer Datenbank "für gültig" erklärt. (In der Regel gibt es dazu einen Data Layer, der mit dem Benutzer im Internet recht wenig zu tun hat.)

Hier ein weiteres Highlight:

Einer der Bereiche, die Veränderungen im Internet initiieren, sind die Communities. Menschen mögen es, dazuzugehören, und das Internet ist ein großer einsamer Ort.

Man kann den zugrundeliegenden englischen Satz fast herauslesen, so wörtlich wurde hier übersetzt; allerdings funktioniert die Wort-für-Wort Übersetzung im Deutschen nicht mehr - der Charme des Originals geht vollständig verloren.

Wenig später erfahren wir:

Die Nutzerinstanz löst dieses Problem, indem eine Instanz auf Anforderung erstellt wird. Anstatt den Standardnutzer zu benutzen, verwendet eine Nutzerinstanz die Benutzerkennung als Servicekennung. [...] Auch benötigt man für das automatische Anhängen keine zusätzlichen Genehmigungen - der Besitzer des Verfahrens hat automatisch die vollständigen administrativen Rechte bezüglich der Datenbank, auch wenn der Nutzer nicht der Administrator auf dem Rechner ist.

Genau verstanden habe ich das nicht. Anstatt also den Standardnutzer zu benutzen - wofür auch immer der Benutzer benutzt werden soll - wird von der Nutzerinstanz (von wem genau?) die Kennung als Servicekennung verwendet; aha. Vielleicht fragen wir einfach mal den "Besitzer des Verfahrens".. .

Im Kapitel über ASP.NET Steuerelemente lese ich:

Dieses Steuerelement ermöglicht einfaches mehrstufiges aufgabenbasiertes Datensammeln.

Ich bin für kreative Vorschläge was ein "aufgabenbasiertes Datensammeln" ist, jederzeit offen!

Ich könnte mehrere Hundert Zitate anführen, hölzerne Wort-für-Wort Übersetzungen wie die hier aufgeführten finden sich auf nahezu jeder Seite mehrfach. Sie machen das flüssige Lesen des Werkes nahezu unmöglich.

Jedem, der sich mit ASP.NET 2.0 beschäftigt und darüber nachdenkt, ein gutes Fachbuch zum Thema zu kaufen, sei die englische Originalausgabe wärmstens empfohlen. Die Deutsche Ausgabe wandert bei mir direkt ins Kellerarchiv.

 

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