Als die Apple Computer, Inc. am 9. Januar 2007 bekannt gab, sich fortan nicht mehr auf Personal Computer, sondern Consumer Electronics zu konzentrieren und konsequent den Begriff “Computer” aus dem Firmennamen entfernte, löste dies ein ähnlich hohes Medieninteresse aus, wie die offizielle Vorstellung des iPhones selbst, welche der eigentliche Anlass für die Show gewesen ist.
Dass die Vorstellung des iPhones direkt mit einer Auseinandersetzung zwischen Apple und Cisco begann – Apple hatte die Markenrechte von Cisco dreist ignoriert – scheint ein in die Zukunft gerichtetes Zeichen für die Geschichte des iPhone gewesen zu sein.
Ein halbes Jahr ist ins Land gezogen und der Hype um Apple’s ersten Versuch raus aus seiner streng behüteten, proprietären Welt in den um ein Vielfaches komplizierteren Mobilfunkmarkt ist deutlich abgeklungen. Der monopolistische Ansatz in jedem Land mit exakt 1 Mobilfunkanbieter zusammenzuarbeiten, sorgt zwar bei der Eroberung neuer Länder hin- und wieder für eine Schlagzeile, echte Bewunderung aber bekommt das iPhone vergleichsweise wenig.
Selbst die Freunde minimalistischen Designs haben eingesehen, dass Apple’s erste Mobiltelefon-Gehversuche wenig überzeugen. So hat selbst das ansonsten Apple freundlich gesonnene Team von engadget kürzlich eine peinliche Liste der Versäumnisse zusammengetragen:
The mobile version of OS X or whatever it is the iPhone runs takes up 700MB of the device’s capacity. Damn son! Update: we think Pogue got this wrong, we don’t really know exactly how much space mobile OS X uses, but it’s nowhere near 700MB.
- There’s no way to cut, copy, or paste text! WHOA! Big, big mistake.
- No A2DP support. That, friends, is such a huge bummer right there.
- Sorry, music can’t be used as a ringtone — even if it’s just a raw MP3. No additional ringtones will be sold at launch.
- On a PC the iPhone syncs with Outlook for calendars AND addresses! Noice.
- It supports Exchange in some capacity, according to Walt, but he doesn’t exactly say how.
- Pogue again confirms document file reading — but not editing — for PDF, Word, and Excel (only).
- Adobe Flash support is officially out. It’s just not in the browser. Neither is there any other kind of embedded video support. Sorry everybody, that’s that.
- It will take snaps, but won’t record video. How can Apple love YouTube as much as it does and not realize cellphone-shot movies make up a sizeable chunk of the crazy crap you find on there?
- Oh, and no MMS. And sorry, no voice dialing, either.
- Contact groups can’t be emailed as contact lists.
- Apple sez between 300-400 charges the iPhone will lose battery capacity — you’ll send it in and get the cell replaced for a fee. Meh. We knew this would be the case, but still, meh.
- Apple can (and supposedly will) be rolling out periodic updates — no surprise there.
- Battery life is, somehow, almost as mind-blowingly good as Apple claims for calls, music, and movies.
- As we suspected, users are prompted with lists of WiFi networks if you’re not nearby a trusted hotspot. We’ve seen this on other phones, and we’re afraid this would get friggin annoying.
- It’s said to be very scratch resistant.
- The facade both front and rear apparently just doesn’t pick up marring like regular iPods do.
- Voice quality is said to be good — not great.
Zumindest zwei der Punkte dieser Liste vom Juni 2007 scheinen nun eventuell doch für ungewollte Aufmerksamkeit zu sorgen:
Die offensichtlich freche Strategie zur massenhaften Nachvermarktung von Akkus – und damit zum doppelten Verdienen – kenne ich persönlich noch von der ersten Generation der iPods. iPhone Käufer wollte Apple wohl auf ähnliche Weise doppelt abkassieren, handelt sich aus diesem Grund aber jüngst den ersten auf eine Sammelklage hinauslaufende Prozess ein.
Kaum hatte sich diese unangenehme Publicity herumgesprochen, brach direkt neues Unheil über Apple herein: Die in Finnland eingekauften Bauteile für den Touchscreen wurden scheinbar nie für den täglichen Einsatz in einem Mobiltelefon getestet. Fazit dieser Vorgehensweise: Der Kunde wird zum Beta-Tester. Einen Vorwurf, den Apple Chef Steve Jobs nicht selten seinem nie erreichten Dauerfeind Bill Gates, dem ehemaligen CEO von Microsoft, gemacht hat. Inzwischen gehen Analysten davon aus, dass der iPhone Touchscreen innerhalb von 6 – 12 Monaten sogar völlig unbrauchbar werden könnte.
Naja, hoffentlich kann man Akku und Touchscreen Tausch zumindest mit einem einzigen Besuch in den raren Apple-Stores vornehmen lassen. :-)
Last but not least macht zu allem Überfluss nun auch noch SP Technologies ein Patent auf die von Apple angeblich selbst entwickelte, revolutionäre Eingabetechnologie geltend – und klagt ebenfalls.
Die Entscheidung Apple’s sich im Mobilfunkmarkt zu versuchen, ist mutig. Angesichts der Anhäufung negativer Meldungen und den offensichtlichen technischen Problemen, relativiert sie allerdings auch die häufig religiös geführten Debatten darüber, ob Apple gegenüber beispielsweise Microsoft bessere Qualität, sicherere Computer oder eine ethisch wertvollere Geschäftspolitik an den Tag lege.
Apple ist freiwillig in der Welt von Microsoft angekommen. Und kämpft mit den exakt gleichen Problemen. Eine Spur arroganter, eine Spur verhaltener und eine Spur dreister. Aber eben mit den gleichen Mitteln.
Abzuwarten bleibt, wann die Fanbase zu bröckeln beginnt.